Pranayama

Luftröhre

12 cm, von 20 Knorpelstangen offengehalten und geschützt.

Filter von Großstaub, Flimmerhärchen schlagen Richtung Rachen (wie Kornfeld im Wind), befördern Staub, Verunreinigungen nach außen.

 

Lunge

2 Flügel (dazwischen Herz, deshalb linker Flügel kleiner)

Schwammiges, dehnungsfähiges Organ, keine Muskeln.

Höhe: 26 cm, Durchmesser: 15 cm

Luftdicht abgeschlossen durch Lungen- und Rippenfell. Zwischen den beiden Fellen: wässrige Flüssigkeit, die einerseits wie Wasser zwischen zwei Glasplatten ein gegeneinander Verschieben ermöglicht, andererseits das Eindringen von Luft verhindert, was die Lunge kollabieren ließe. Der Unterdruck in der Lunge erlaubt die passive Bewegung durch Atemmuskulatur und Zwerchfell.

 

Im Yoga erhöhen wir die Vitalkapazität, indem wir Raum für die Ausdehnung der Lunge schaffen.

  1. Atmung, Nervensystem + innere Organe

Die Atmung nimmt Einfluss auf das autonome Nervensystem. Das parasympathische und das sympathische Nervensystem sind direkt mit dem Herz verbunden, schicken Neurotransmitter, welche die Herzrate sinken und steigen lassen. Die Elastizität der Blutgefäße wird beeinflusst.

6 Atemzüge/Min. sind ausgleichend für das autonome Nervensystem. Verlängerte Ausatmung fördert die Entspannung, da das Parasympathische Nervensystem aktiviert wird, z.B.: Ujjayi und Brahmari – zunächst nur beim Ausatmen üben.

Die Bauch-Flanken-Atmung bewirkt eine Massage der inneren Organe und fördert eine gesunde Verdauung.

  

  1. Pranayama

          Prana = Energie

          Ayama = Streckung, Dehnung, Beherrschung, Kontrolle, Länge

          (Atem = indogermanisch, gleiche Wurzel wie Atman (das Selbst, die Seele))

Der Atem verbindet den grobstofflichen mit dem feinstofflichen Körper.

 

Begriffe des Pranayama

Recaka: „entleeren“ bewusst kontrolliertes (verlängertes) Ausatmen (AA)

Puraka: „füllen“ bewusst kontrolliertes (verlängertes) Einatmen (EA)

Kumbhaka: Atempause (AP), Synonym für Pranayama, da diese am wichtigsten ist.

Antara Kumbhaka: Atempause nach dem Einatmen.

Bahya (bahir) Kumbhaka: Atempause nach dem Ausatmen.

Kevala Kumbhaka: Stille des Atems ohne Technik.

Sama Vritti: EA und AA gleich lang

Visama Vritti: EA und AA ungleich lang

Motivation für Atemarbeit 

  1. Beobachtungen in der Tierwelt: Lebensdauer abhängig von der Atemfrequenz.
  1. Jeder Mensch verfügt über bestimmte Anzahl von Atemzügen. Wer schneller atmet, stirbt eher.

  

Geschichte des Pranayama                 aus: Viveka 35, Volker Bräutigam

  1. Quelle: Atharvaveda (1000-900 v.Ch) im Vratya-Buch (Av.15) werden 21 Atemarten genannt. Eine Gruppe von Menschen hat sich mit Hilfe dieser Übungen in schamanisch-ekstatische Zustände gebracht.
  2. 2. Hinweis auf Pranayama in den Dharmasutras (6.Jhd.v.Ch.). Pranayama ist Bestandteil eines Rituals, mit Betonung auf das Anhalten des Atems.
  3. Baudhayanadharma Sutra (6.-8.Jhd.v.Ch.): Pranayama begleitet von mentalem Rezitieren vedischer Mantras, wie dem Gayatri Mantra und Pranava (OM).
  4. Dharmasmrtis, Vorschriften für die einzelnen Kasten: Manusmrti beschreibt die tägliche Ritualpflicht, die nur die die drei oberen Kasten ausführen dürfen, Frauen sind ausdrücklich ausgeschlossen. Pranayama Teil des religiösen Rituals, mit eigenständiger

Funktion. Nur mit Rezitation bestimmter Mantren, die dazu dienen, die Befleckung (mala) der Sinne zu beseitigen, den Menschen von schlechten Handlungen zu reinigen.

  1. Shramana-Bewegung: Asketen und Wahrheitssucher, Pranayama steht allen Menschen offen. Gewaltsames Verschließen von Mund, Nase, Ohren, bis zu stärksten körperlichen Schmerzen. (Buddha schließt vermutlich aus dieser Erfahrung alle Atemübungen aus, erst im Tantra wurden Pranayama-Übungen in die buddhistische Praxis integriert).
  2. Bhagavad Gita (1000 v.Ch): Pranayama als Opferritual praktiziert. 4.29: Die Ausatmung wird der Einatmung geopfert und umgekehrt. Der Atem wird als Opfer gebracht, an Stelle von Objekten/Tieren, indem Atemanhalten, antara kumbhaka, aber auch bahya kumbhaka durchgeführt wird. Das Zurückhalten ist das Opfer.
  3. Brhadyogiajnavalkya Smrti, ca. 8.Jhd.n.Ch., immer noch ritueller Kontext.

Recakapranayama (Ausatmungspranayama)

Purakapranayama (Einatmungspranayama)

Kumbhakapranayama (Pranayama des Anhaltens)

Beschrieben wird bahya kumbhaka.

  1. Shvetashvatara Upanishad (Yajurveda, 1000 v.Ch.), Pranayama wird als Mittel zur Vorbereitung der Meditation eingesetzt, nicht mehr Teil des vedischen Rituals. Methode zur Selbsterkenntnis. Neu: Es wird vom verlangsamten Atem geschrieben.

Maitri Upanishad, Vers 6, 18, sechsgliedriger Yogaweg:

Pranayama                                 Dharana

Pratyahara                                 Tarka (Meditative Reflexion)

Dhyana                                     Samadhi

Findet sich in etwas veränderter Reihenfolge in späteren tantrischen Texten (Kalachakra Tantra, Guhyasamaja Tantra)

  1. Puranas (400-1000 n.Ch), Visualisierung von Vishnu (EA) im Nabel, Brahma (antara kumbhaka) in der Herzregion und Shiva (AA) in der Stirnregion.

Neu: Kontrolliertes EA und AA.

Recaka: Kontrollierte AA

Puraka: Kontrollierte EA

Kumbhaka: Kontrolliertes Anhalten

Zeitmaß (Matra) wird eingeführt: Atemverhältnis 1:4:2 (EA:Halten:AA)

Quantität hier wichtiger als Qualität des Atems

  1. Hiranyagarbha (erwähnt in Brhadyogiajnavalkya Smrti, älter als Patanjali Y.S.) Pranayama wird als 4. Glied eines achtgliedrigen Pfades aufgeführt. Der Atem wir mit festem Zeitmaß geregelt und Prana und Apana (EA und AA) nur noch mit der Silbe OM kontrolliert werden. Drei Stufen: milde, mittlere und höchste. Danach Prathyahara: Die äußere Luft im Körper soll sehr lange im Leib zurückgehalten werden.
  2. Patanjali (2. v.Ch.-4. n.Ch) löst Pranayama vollständig aus dem religiösen Ritualismus heraus und macht es zu einer reinen Yogaübung. Er verzichtet auf OM und macht es unabhängig. Reine Yoga-Technik, mit Achtsamkeit ausgeführt. Vorbereitung auf die Meditation.
  3. Hathapradipika (10. Jhd), „Wenn der Atem bewegt ist, ist auch der Geist bewegt, wenn der Atem ruhig ist, ist der Geist ruhig“, HP 2.2..

2 Gruppen: Ohne und mit (Bija)Mantra.

Neu: Pranayama aus gesundheitlichen Aspekten. Reinigung auf der körperlichen Ebene, aber auch von schlechten Handlungen.

 

Übungsziele von Pranayama:

  • Vedanta: Nähe zu Gott, Verbindung zu Gott
  • Yoga Sûtra: Sammlung des Geistes – Samadhi
  • Hatha Yoga Pradipika: Gesundheit und Klarheit des Geistes

 

Patañjali      Yoga Sûtras, II, 49-53

 

Ausgangslage: Der Atem ist unbewusst, oberflächlich, gestört. Pranayama ist die Unterbrechung dieser negativen Atemqualität. Es geht nicht um die Reduktion der Atembewegung, sondern um das Erreichen einer bestimmten Qualität:

Länge und Feinheit/Gleichförmigkeit:      dirghasukshma    (Y.S.II, 50)

Nur dann, wenn der Atem lang (dirgha) und fein (sukshma) ist, kann er prana, die Lebensenergie beeinflussen.

Voraussetzung: Pranayama erst, wenn Asanas gemeistert sind (sthirasukhamasanam)

 

Hatha Yoga Pradipika von Svatmarama. 2. Kapitel: Pranayama

9 Atemübungen

Voraussetzungen: Stabilität im Asana. Körper für Atemübungen vorbereiten.

Daher Wechselspiel von Atem und Bewegung, damit sich Körper und Atem in der Vorbereitung auf eine Pranayama-Praxis unterstützen.

Konzentration und Willenskraft aus der Asana-Praxis ermöglichen es, die Aufmerksamkeit auf die feineren Prozesse der Atemübungen zu lenken.

Gemäßigte und bewusste Ernährung ist weitere Voraussetzung (wie in der Gita).

Atem wird verglichen mit wilden Tieren „wie Löwe, Elefant und Tiger“ (Vers 2.15), die man nur „langsam schrittweise zähmen kann“; andernfalls töten sie den Dompteur. Die Kraft des Atems wurde sehr ernst genommen.

Unsachgemäßes Üben führt zu psychischen Spannungen, verstärken Abhinivesha, die Angst vor dem Nicht-Sein, die negativen Faktoren unseres Geistes.

Sorgsam und in richtiger Weise (yukta, yukta, Vers 2.18) sollten AA, EA und Atemanhalten, Betonung auf antara kumbhaka, geübt werden.

 

 

Aus: Uwe Bräutigam: Die Hatha Yoga Pradipika, Teil 3: Die Atemübungen (Viveka 11)

Jede Technik hat eine bestimmte Ausrichtung, die beim Üben eindeutig sein muss.

(Nase, Kehle, Mund, Brustraum)

Wirkung eines Pranayama vom Zeitverhältnis der einzelnen Atemphasen abhängig.

Anders, als in der Hatha Yoga Pradipika, brauchen viele Menschen eher die Betonung der Ausatmung. Kontinuität und eine gewisse Anzahl an Wiederholungen sind nötig, um Wirkung, bzw. Veränderung zu erreichen.

 

Übung von 80 pranayamas, die 4 mal täglich ausgeführt werden können (Dauer mind. 5,5 Stunden). Ein erfahrener Lehrer ist Voraussetzung.  

 

Nadi Shodana (Wechselatmung), der Anuloma Viloma, gehört nicht zu den 8 Kumbhakas. Es ist anzunehmen, dass sie immer als Vorbereitung auf die anderen Atemübungen durchgeführt worden ist, um Nadis zu reinigen.

 

Betonung auf Antara Kumbhaka (Halten nach EA): Organismus soll gereinigt werden, indem ein inneres Feuer (Agni) entfacht wird und die Schlacke in den Nadi entfernt wird, damit die Apana-Kraft im Unterleib ihre ausscheidende Aufgabe erledigen kann. Mit der Ausatmung werden die Abfallstoffe dann nach außen abgegeben.

Bandhas intensivieren diesen Prozess, sollen erst eingesetzt werden, wenn kumbhaka (AP) gut gemeistert ist.

Alle Atemtechniken beschreiben die reinigende Wirkung des Kumbhaka (AP).

 

Die 8 klassischen Maha Kumbhakas (Atemtechniken):

Das Surya bedha(na)         die Sonne durchstoßen     

Die Ujjayi                         die Siegreiche

Die Brahmari                    die Biene

Die Shitali                        kühlend, harmonisierend

Die Sitkari                        nippen, zischen

Die Bhastrika                    der Blasebalg

Die Murcha (!)                  Verzückung, Trance, Extase, bewusstlos werden

Die Plavini (!)                   Schweben, Schwimmen

 

Atemregulierung in der Kehle: Ujjayi und Brahmari

 

Ujjayi: Die Stimmlippen sind geschlossen, die Stellknorpel lassen einen Spalt frei, durch den die Atemluft hindurchströmt. Gleicher Vorgang wie beim Flüstern, nur bleibt der Mund geschlossen, die Luft strömt ausschließlich durch die Nase ein und aus.

Achtung: Durch die ständige Spannung im Kehlbereich kann es zu Druckgefühl im Kopf oder Halsbereich kommen. Die Reizung der Stimmlippen kann zu Heiserkeit führen. Ujjayi nicht einsetzen, wenn die Stimme beruflich sehr beansprucht ist, oder eine Halsentzündung vorliegt. Auf langen Nacken achten, um Dehnung m Kehlbereich zu vermeiden. Zuerst nur bei Ausatmen einsetzen. Vorbereitung: Tönen beim Ausatmen.

 

Brahmari

Regulieren des Aus- und Einatmens mittels leisem Summtons. Ton klingt beim EA höher als beim AA. Höhere Spannung beim EA.

Shanmukti mudra: Mit Daumen Ohren, Zeigefinger Augen, Mittelfinger Nase verschließen. Ringfinger auf Oberlippe, Kleinen Finger auf Unterlippe legen.

 

Atemregulierung an der Nase:

Nadi shodana (Anuloma Viloma), Surya bedhana, Chandra bedhana

Vishnu mudra: 2.+3. Finger auf Daumenballen legen, Daumen und 4. Finger unmittelbar unter dem knöchernen Teil der Nase anlegen.

Kinn leicht zur Brust nehmen.

 

Nadi shodana: E li          A re             E re              A li (1 Runde)

Ein Nasenloch ist ganz verschlossen, das andere wird durch leichten Druck reguliert (leises, gleichförmiges Fließgeräusch).

Vorübung: a) Beidseitig ein- und ausatmen, den Atem durch leichten Druck regulieren. b) Einatmen beidseitig, re ganz verschließen, ausatmen li.

 

Surya bedhana: E re       A li               (Durchstoßen der Sonne, Fokus rechts)

Chandra bedhana: E li    A re             (den Mond durchstoßen, Fokus links)

 

Atemregulierung mit dem Mund: Shitali und Sitkari

 

Shitali: „kühlende Atmung“ Zunge wird gerollt durch die Lippen gestreckt.

Sitkari: „Geräusch sit“ Zunge liegt breit im Unterkiefer, Spitze an den Zähnen.

Ausatmen durch die Nase. Evtl. Zunge beim AA nach hinten oben rollen (regt Speichelfluß an, oder gelegentlich Wasser trinken).

 

Kombinationen:

Anuloma Ujjayi: E Kehlton, A Nasenton

Viloma Ujjayi: E Nasenton, A Kehlton

Pratiloma Ujjayi: E ujjayi, A Nase li, E Nase li, A ujjayi, E ujjayi, A Nase re, E Nase re, A ujjayi.

 

Atemregulierung mit dem Brustkorb/Zwerchfell:

Bhastrika, Kaphalabhati, Feueratem, Murcha, Plavini*

*HYP 2-69: Voll von bester Luft in das Innere des Bauches geschluckt, schwebt der Yogi mühelos wie ein Lotusblatt selbst auf dem Wasser.

 

Ziel des Übens im Yoga Sûtra: Samadhi, Sammlung des Geistes.

 

Y.S. I,34: Das Üben der sanften Ausatmung bringt den Geist zur Ruhe

Unreinheit des Geistes ist seine Unruhe, hervorgerufen durch Gier, Ängste, Ärger.

Deshalb müssen sich Veränderungen in der Qualität des Prana in Veränderungen der Qualität unseres Geistes widerspiegeln.

Patanjali: Zwei Früchte des pranayama: Klarheit des Geistes (Samadhi) und Fähigkeit zur Konzentration (dharana).

Ein ruhiger Geist erkennt die Wirklichkeit (samadhi). (Y.S. II, 52: Die regelmäßige Praxis von pranayama verringert die Blockaden, die uns an einer klaren Wahrnehmung hindern).

Es werden die Strukturen in uns verringert, die uns immer wieder in leidvolle Erfahrungen führen, die Kleshas.

 

Zitate

Yoga Sutra, II,52

„Pranamaya entfernt den Schleier, der das Licht der Erkenntnis verdeckt“.

 

Yoga-Chudamani-Upanishad:

Pranayama ist der Königsweg zu Wohlbefinden, Freiheit und Glückseligkeit (Sat-Chit-Ananda).

 

B.K.S. Iyengar: Der Urquell des Yoga:

“Beim Einatmen vereinigt Purusha sich mit Prakriti; beim Ausatmen vereinigt Prakriti sich mit Purusha….Durch Antara-Kumbhaka ist der Seher in seinem eigenen wahren Wesen fest gegründet (svarupa-pratishtha), und durch Bahya-Kumbhaka wird man frei von den vier Zielen* des Lebens (purushartha-shunya).” (S. 204)

*Pflichterfüllung (Dharma), Lebenserwerb (artha), Lebensgenuss (Kama) und Freiheit (Moksha) von weltlichen Belangen

 

Yogatherapie:

Geübte Verlängerung des Ausatmens kann Stress abbauen. (z.B. Asthma bronchiale)

  • Ruhe •Stressregulation
  • Klarheit •Immunstärkung
  • Balance •Regulation des Nerven- und Hormonsystems
  • Ausgleich •Vergrößerung des Atemvolumens
  • Energie •Blutdruck-Senkung
  • Verdauungsfördernd