Brahmacarya
Brahmacharya Ethik der Enthaltsamkeit Yoga Sutra II, 38
„Wenn man im reinen Lebenswandel fest gegründet ist, erlangt man große Kraft.“
B.K.S. Iyengar: Der Urquell des Yoga
Im hinduistischen Kulturkreis galt zur Zeit Patanjalis die Ansicht, dass ein auf Gott ausgerichtetes Leben nur durch Entsagung jeder Form von Sexualität möglich sei. Das ist der gleiche Ansatz, warum in christlichen und buddhistischen Klöstern bis heute sexuelle Enthaltsamkeit verlangt wird.
Auch der Asket zog sich in seine Höhle zurück, ließ alles Materielle zurück und verabschiedete sich von der Gesellschaft. Im Verzicht und durch ausdauernde Meditation versuchte er Samadhi, den Zustand der Erleuchtung, zu erlangen und damit die Erlösung aus dem Kreislauf der Wiedergeburt. Dazu sollte sich die sexuelle Energie in spirituelle Energie umwandeln. Verurteilt wurden sexuelle Gier und jedes ungezügelte Sexualleben. Energie galt es zu bewahren, um den Yogi seinen spirituellen Zielen näher zu bringen.
Das Wort „Brahmacarya“ bedeutet „Schülerschaft bei einem Brahmanen“ und bildete eine Ausbildungsstufe für junge Männer, die bei einem Lehrer im klösterlichen Rahmen (Ashram) die Grundlagen für ein spirituelles Leben lernten und bereit waren, ihr Leben auf Gott, die Liebe, das universelles Bewusstsein auszurichten. Dabei kehrten sie nach ein paar Jahren wieder in die Gesellschaft zurück, gründeten Familien und gingen ihrem Berufen nach.
Für uns übersetzt heißt Brahmacarya, ein Leben mit Maß und Ziel. Dabei soll uns nicht der Spaß verdorben werden, sondern wir schützen unsere Lebensenergie. Weder zu viel noch zu wenig essen, Sport treiben gehört ebenso dazu, wie wenig Alkohol zu trinken oder wenig zu rauchen.
Unser Ego hält uns davon ab, unserer inneren Wahrheit gemäß zu leben, indem es uns antreibt, lauter Dinge zu tun, die uns angeblich glücklicher werden lassen. Hören wir auf unsere innere Stimme, die uns in Liebe zum Glück führt. Ich habe heute in einer Nachrichten-APP einen Beitrag gelesen, der dazu aufruft, anstatt Diäten durchzuführen, auf seinen Körper zu hören, wieder zu lernen, wann dieser das Signal „satt“ sendet und genau dann das Essen zu beenden. Das ist es, was ich unter Brahmacarya verstehe.
Brahmacarya im Alltag:
Beobachte dich. Wann ist genug genug und wann führt ein Mehr zum Verlust an Energie?
Wenn Du mehr machst, als Dir guttut, überlege, warum. Was hat ausgelöst, dass Du z.B. mehr isst, mehr einkaufst, dich überanstrengst? Steckt da ein Erlebnis dahinter, was dieses Bedürfnis auslöst? Ist es Stress, Streit, Trauer, Unzufriedenheit?
Nimm deine Gewohnheiten und Automatismen wahr. Für mich heißt das, warum „brauche“ ich immer ein Stück Schokolade zum Kaffee? Für was steht das Stück Schokolade wirklich?