Astea

Asteya Nicht-Stehlen Yoga Sutra 2,37


„Wenn man im Nicht-Stehlen fest gegründet ist, kommt Reichtum von selbst.“

(B.K.S.Iyengar: Der Urquell des Yoga)


Hand aufs Herz. Wer hat nicht schon einmal bei der Steuer geschummelt, einen Handwerker schwarz arbeiten lassen oder sonst eines dieser sogenannten Kavaliersdelikte begangen? Die Ausrede ist schnell bei der Hand: Es machen die Anderen auch, ist ja nur ein wenig, fällt kaum auf, tut niemandem weh.


Aber warum bestehlen wir die Gemeinschaft, den Staat, die Krankenkasse, das Hotel, den Arbeitgeber? Können wir uns den Handwerker, den Textmarker wirklich nicht leisten? Was erhoffen wir uns davon?


An den Universitäten und anderen Instituten wird geistiges Eigentum gestohlen, unter anderem Namen veröffentlicht.

So oft wird uns Zeit gestohlen, wenn wir auf jemanden warten müssen, der lächelnd zu spät kommt, weil das sein persönlicher Stil ist.

Indem du Raubbau an der Natur und an dir selbst betreibst, stiehlst du dir und künftigen Generationen Lebenszeit und -qualität.


Ursache sind zwei Gefühle, die die Menschheit von Anbeginn begleiten:

Gier und Neid.

Hinter der Gier, möglichst viel Geld für sich zu behalten, ist oft die Angst verborgen, zu kurz zu kommen, später einmal nicht genug zu haben. Sind das berechtigte Sorgen? Oder sagt das nur unser Kopf und wir suchen eigentlich etwas Anderes?

Neid ist ein Hinweis auf nicht gelebtes Potenzial. Vergleichen stiehlt dir die Freude an dem, was du hast und an dem, was du bist. Ich sehe zwei Formen von Neid. Die eine ist der Vergleich mit einer anderen Person, die etwas hat oder ist, was du selbst gerne hättest oder wärest. In diesem Fall fühlst du dich benachteiligt, unterlegen, siehst nicht deine Fähigkeiten, deine eigene Einzigartigkeit.


Die andere Form von Neid liegt in dir selbst. Jeder Blick in deine Vergangenheit, in der du dich schlanker, sportlicher, hübscher, gesünder, glücklicher … als heute siehst, verstellt dir den Blick auf deine Möglichkeiten jetzt und hier, macht dich unzufrieden.

Deine Gedanken des Mangels, der Trennung und der Begrenzung nehmen dir die Sicht auf den Reichtum deines Lebens in diesem Moment. Es mag Umstände geben, die dir den Alltag erschweren, aber niemand kann dir den Luxus nehmen, mit dir und der Welt im Einklang zu sein. Das ist der größte Reichtum. Diesen Reichtum haben immer wieder Menschen gesucht und gefunden, die dafür alle weltlichen Güter hinter sich gelassen haben (Franz von Assisi, Buddha, Jesus, Mahatma Gandhi und andere mehr). Das verlangt niemand von uns, zeigt aber, dass diese Menschen ihr Glück erst gefunden hatten, als sie sich von all dem getrennt haben, mit dem wir uns glücklich sein vorstellen.


Asteya in der Yogapraxis

Atemübungen, bei denen der Atem und die Atempausen sanft verlängert werden. Eine Atemführung mit tiefen und ruhigen Atemzügen wirkt sich positiv auf deine Gesundheit aus. Ein schneller, flacher Atem stiehlt dir Lebenszeit.


Vergleiche dich nicht mit anderen in der Yogastunde. So wie du die Asana heute machst, ist sie für dich genau richtig. Wähle die Variante aus, die sich für dich gut anfühlt. Es geht um dich, nicht um die Asana.


Meditation

Diese Bewegungsmeditation mit Pranamudra findest Du oben: Video


Für den Alltag:

Dankbarkeitsübung

Benenne jeden Morgen drei Dinge, auf oder über die du dich heute freuen kannst. Das kann eine neue Blüte im Garten sein, die Tasse Kaffee zum Frühstück, ein besonderer Mensch, den du heute triffst. Ich bin sicher, dir fällt etwas ein.

Nimm diese drei Dinge als kleine Geschenke mit in den Tag und freue dich.