Satya

28.01.2023

  1. Satya Wahrhaftigkeit Yoga Sutra 2.36                 

 

Mit Satya (Wahrhaftigkeit) ist zunächst einmal gemeint, ehrlich zu sich und zu anderen zu sein.

Wir lügen, weil wir den Anderen nicht verletzen wollen, der Harmonie zuliebe, weil wir besser dastehen möchten (Schuld ist jemand anderes). Oder wir belügen uns, weil wir uns selbst etwas vormachen, etwas an uns nicht wahrhaben wollen, uns nicht annehmen können, wie wir sind. Die Schönheitsindustrie lebt davon, dass sie Dir sagt, Du bist nicht schön oder gut genug, so wie Du bist.

Wie Ahimsa möchte ich Satya auf zwei Ebenen behandeln.

 

Die persönliche Ebene, unser Ego

Es geht darum, die Wahrheit zu sagen, zu denken und zu verstehen, dass wir Wahrheit durch unsere Linse sehen. Die Linse ist unsere Biographie und was wir an Erfahrungen, Glaubenssätzen mitbringen.

 

Die subtile Ebene

Hier liegt die tiefste Wahrheit, unsere Essenz, unsere Seele, unser innerstes Selbst.

Yoga auf der Matte heißt, Verbindung von Körper, Atem und Geist zu üben.

Yoga im Leben sucht die Verbindung von unserem Ego mit unserer Seele. Jedes Lügenkonstrukt, jeder Glaubenssatz hält uns auf Distanz zu unserem Selbst. Es erfordert Mut, diese inneren Widersprüche zu erkennen, eigene Ängste wahrzunehmen, Verletzlichkeit zuzulassen. Krankheiten, Suchtverhalten (auch Essen), Burnout entstehen auch, weil ich gegen meine tiefste Wahrheit lebe. Je mehr ich in Verbindung mit meinem innersten Selbst trete, umso reiner wird meine Wahrhaftigkeit. Dann bin ich bei mir angekommen, bin ich selbst.

Auf dem Weg dorthin, möchte ich dir einen Vers meiner Lehrerin, Monika Bretbacher, mitgeben:

 

Sei wer du bist, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Nicht, wer du denkst, dass du bist.

Das was du bist, wenn du nicht mehr denkst.

 

Anregungen für den Alltag

Persönliche Ebene:

  1. Drei Siebe des Weisen (wohl nicht Sokrates): Wahrheit, Güte, Notwendigkeit
  2. Beobachte dich: Nimm wahr, wenn du lügst und überlege, warum habe ich gelogen? Wäre es auch anders gegangen? Hätte ich meine Aussage anders formulieren, hätte ich schweigen können?

 

Subtile Ebene: aus unserer Meditation

Stell Dir vor, Du kommst auf eine ferne kleine Insel. Es empfängt dich ein freundlicher Mann oder eine freundliche Frau und lädt dich mit Gesten zum Essen ein. Dieser Mensch strahlt Geborgenheit, Wärme, Liebe aus und kennt deine Sprache nicht. Du fängst an, alles zu erzählen, was du sonst zurückhältst. Deine Gefühle, deine Enttäuschungen, deine Sorgen, deine Ängste, deine Freuden - einfach alles. Der Mensch blickt dich an, versteht keines deiner Worte und versteht doch alles.

Wie fühlst du dich jetzt?