Krank sein - als Chance

Corona kurz vor Weihnachten 2023

 

Krank sein ist so spannend! Da ist zunächst bei den ersten Absagen von Yogakursen, Klavierunterricht immer noch der Gedanke: alles nachunterrichten, finanzieller Totalausfall. Dann wird halt alles nachunterrichtet. Was solls!

Dann kommen soo viele und so wertschätzende Antworten von meinen Schülern, dass ich ganz berührt bin. Es sind unzählig viele Packerl, die da hereinkommen und Weihnachten findet für mich schon diese Woche statt. Es bestärkt mich auch darin, meine Mini-Vorträge in den Yogastunden fortzusetzen, denn wenn sie nur eine oder einen erreichen, ist es die Extra-Vorbereitung wert. Der nächste Vortrag wird „Krank sein als Chance“ .

Die letzten Tage waren so wichtig, dass ich gleich den Rest der Woche auch abgesagt und mir eine Krankschreibung für meine Minianstellung am Musikum Salzburg besorgt habe. 

Als Beobachter zu sehen, wie sich Schwachstellen des Körpers in diesem Zustand melden, die in den letzten 10 Jahren irgendwann einmal Thema waren, was für Gedanken und Erinnerungen mich beschäftigen, wenn ich im Bett liege, aber nicht schlafen möchte. Wie sich seit Tagen ein leichter Schwindel einstellt, der mich zwingt, Ruhe zu geben, sonst wird er stärker - all das weist auf Veränderung, Transformation hin, die auf allen Ebenen gerade stattfindet und der ich alle Ruhe und Zeit geben möchte. Wenn ich weiß, dass hinter jedem Unbehagen auf körperlicher Ebene ein seelisches Thema, Samskara, Granthi (wie immer man es nennt) steht, dann ist auch spannend, was sich nicht mehr gemeldet hat. Dafür das Kreuzbein ziemlich heftig - das Thema möchte unbedingt angeschaut werden.

 

Einschub:

Die Minute kam eine Whatsapp von einer Freundin:

 „Ihr habt auch das böse C????? 

Ich auch“ (und ein heulendes Emoji)

 

Meine Antwort: „Wir haben Corona und die Chance auf neue Erkenntnisse, Zeit für einen Rückblick auf das Jahr. Ruhe und Stille. Wundervolle Geschenke in Form von wertschätzenden Rückmeldungen meiner SchülerInnen. Es geht mir gut mit Corona.

Fühle dich umarmt, alles Liebe und gute Besserung. Ina“

 

(ich hoffe nicht, dass ich sie damit überfordere, es war halt gerade der Moment…)

 

Unser Leben ist durchdrungen von einschneidenden Abschnitten, angefangen von Geburt, Eintritt in den Kindergarten, in die Volksschule, usw.. Lauter Ereignisse, die uns herausfordern und uns gleichzeitig weiterbringen. Wir können/sollen uns ihnen nicht entziehen, denn sie sind von der Natur oder der Gesellschaft vorgegeben und gehören zu unserer Entwicklung als Mensch dazu. Es ist Veränderung, das Wasserelement, Teil unseres Lebens, auch wenn sich viele Menschen schwer damit tun und am liebsten alles immer so sein und bleiben soll, wie es immer schon war. (War es wirklich immer schon so??? War Energie immer billig? Waren Lebensmittel immer ein Bruchteil des Einkommens wert?)

Dennoch, großen Lebenseinschnitte werden akzeptiert und zum Teil gefeiert (Hochzeiten, Studien- Ausbildungsabschlüsse). 

Anders ist es bei seelischen Themen, Erlebnissen, Ängsten, Traumata. Hier arbeiten wir wie die Mistkäfer, packen alles in eine oder mehrer Kugeln und rollen sie immer und immer weiter vor uns her. Irgendwann sind einzelne so groß, dass nichts mehr geht - und wir werden krank oder erleiden einen Unfall.

Es kommt dann so eine Reaktion wie in der WhatsApp.: Die böse Krankheit, der dumme Unfall. Wie lästig, was bin ich für eine Arme. Corona ist schuld, dass es mir so schlecht geht. Wer hat mich angesteckt? Warum ausgerechnet ich? Warum gerade jetzt?

 

Warum siehst Du Krankheit/Unfall nicht ebenso als Lebenseinschnitt, als Zäsur, als Anlass, dich mit dir selbst zu beschäftigen? In diesem Moment kannst du die Kugel nicht zur Seite schieben, bist gezwungen, dich deinem Thema - zunächst auf körperlicher Ebene zu begegnen, dich zumindest für diese Zeit so einzurichten, dass die körperlichen Symptome ausheilen können. Siehst du dabei auch die seelischen?

 

Nimm deine Kugel und breite den Inhalt vor dir aus:

 

  • Was liegt da und will in die Hand genommen werden?
  • Was hast du so lange verdrängt, nicht an dich herangelassen?
  • Vor was hast du die Augen verschlossen?
  • Welche Gedanken hast du davongeschoben?
  • Was klopft schon länger an die Tür und du hörst es nicht?
  • Wo hat sich dein Bauchgefühl, deine Intuition gemeldet und du lässt es nicht zu?

 

Fangen wir an, Krankheit als Chance zu sehen. Eine Zeit, die Veränderung erzwingt und je mehr wir uns verweigern, dagegen aufbegehren, uns bemittleiden und die Schuld bei anderen suchen, desto weniger begegnen wir uns selbst, hören in uns hinein, nehmen die leise Stimme wahr, die sagt: Es ist Zeit, dass du dich siehst, wahrnimmst, was du brauchst. Lass zu, dass Veränderungen im Aussen Veränderungen im Inneren in Gang setzen.

 

Krankheit ist nicht die Abwesenheit von Gesundheit.

Es sind beides Zustände in denen wir uns wiederfinden.

Beide haben ihren Platz im Leben.

 

Zitat von Christopher Wallis

.. es erfordert wahrlich heldenhaften Mut, den eigenen Schmerz anzusehen und ihn nicht wegzuschieben, sondern seine Kraft umarmend anzunehmen.

(Licht auf Tantra, S.289)