• Patanjali   Yoga Sutra II, 3-9                

    Die 5 Kleshas - Störfaktoren im Geist

     

    Es ist das natürliche Bestreben, der Wunsch jedes Menschen, glücklich zu sein.

    Patanjali meint dabei, den Geist zur Ruhe und Klarheit zu führen und Samadhi (spirituelle Befreiung) zu erreichen.

    Dabei gibt es eine Vielzahl von Hindernissen im Geist, die uns immer wieder aus der Ruhe bringen, Leid erzeugen und verhindern, dass wir zu unserem wahren Selbst finden. Sie sind ein Teil der menschlichen Natur, diese Kleshas (Schmerz, Leid, Betrübnis), und wir können ihnen im Yoga mit Bewusstheit begegnen, sie enttarnen und Stück für Stück verringern. Selten sind alle 5 Kleshas gleich präsent, sondern sie wechseln sich ab, je nach Situation, in der wir uns befinden. Der achtgliedrige Pfad (siehe Yamas) ist ein Weg, den Einfluss der Kleshas auf das eigene Denken und Handeln zu verringern, indem die Wahrnehmung und Reflexion geschult wird. Dadurch lernst du, aus alten Denkmustern auszusteigen und zu deinem wahren Selbst zurückzufinden.

    Wir können unseren Geist mit einem Garten vergleichen. Die Zierpflanzen setzen wir ein, hegen und pflegen sie. Wenn wir uns nicht ständig um sie kümmern, gehen sie ein. Diese entsprechen unseren Denk- und Verhaltensmustern, die wir mit Hilfe der Yamas und Niyamas ständig reflektieren und zu verändern suchen. Dazwischen wächst das Unkraut, die Kleshas, das wir im Garten nie ganz loswerden. Es wächst und kann unsere Zierpflanzen überwuchern, wenn wir es nicht in Schach halten.

     

     

    Die Avidya - Nicht-Wissen (a-vidya), Falsches Wissen, Unbewusstheit

    Y.S. II,4 „Mangel an wahrem Wissen ist der Ursprung aller unterschwelligen oder schwachen oder unterbrochenen oder vollwirksamen Leiden.“ (S.151)*

     

    Avidya ist die Wurzel alles Leids. Die menschliche Wahrnehmung ist subjektiv, geprägt von Erfahrungen, erworbenem Wissen, von Wünschen und Träumen. Mit diesem Wissen beurteilen wir die Welt und die Ereignisse um uns herum.

     

    „Ich weiß, dass ich nichts weiß“ (nach Sokrates) - ein Schritt mit Avidya umzugehen.

     

    Die Asmita - Ich-heit, das Ego

    Y.S. II,6 „Ichhaftigkeit ist die Gleichsetzung des Sehers mit dem Instrument des Sehens.“ (S.152)*

     

    Gemeint ist die falsche Einschätzung der eigenen Person. Das eigene Selbstbild ist geprägt durch die Wahrnehmung und Einschätzung anderer, bis man selbst glaubt so zu sein, wie es die anderen sagen. Das kann zu Minderwertigkeitsgefühlen, aber auch zu einer übersteigerten Selbstüberschätzung führen. Typische Beispiele finden wir bei Politikern, die sich für den Nabel der Welt halten.

     

    Der Raga - Leidenschaft, Anhaftung, Zuneigung

    Y.S. II,7 „Lust führt zu Begierde und emotionalem Anhaften.“ (S.153)*

     

    Ein Festhalten an Wünschen und Bedürfnissen, die einmal eine gute Erfahrung gebracht haben. Dieses Verlangen steuert das Handeln und kann in Gier oder Sucht münden. Der Verlust dieses Gegenstandes oder eines Menschen erzeugt Leid.

     

    Der Dvesha - Hass, Zorn, Abneigung

    Y.S. II,8 „Unglücklichsein führt zu Hass.“

     

    Das Gegenteil von Raga ist eine Ablehnung von Dingen, die auf schlechten Erfahrungen oder Vorurteilen basiert. Anstatt einer Situation oder einem Menschen offen gegenüberzustehen, bestimmen negative Gedanken, alte Geschichten unser Handeln.

     

    Der Abhinivesha - Hingabe, Liebe, Zuneigung

    Y.S. II,9, „Selbsterhaltung oder das Haften am Leben (ist das subtilste aller Leiden). Man findet es sogar bei Weisen“

     

    Lebensdrang, Anklammern an das Leben. Es ist „eine Art Unwissenheit, die Furcht vor dem Tod hervorruft; ein instinktives Festhalten am weltlichen Leben und körperlichen Freuden und die Furcht, dass man von ihnen allen durch den Tod abgeschnitten wird“. (V.S. Apte).

    Andere Kommentatoren sprechen von einem Urdrang zum Leben.

     

    *alle Übersetzungen der Sutras von B.K.S.Iyengar, Der Urquell des Yoga

     

    Die Einladung ist, unsere Kleshas bewusst und achtsam anzunehmen, um wichtige Erkenntnisse über und selbst zu gewinnen. Das Ziel ist, Freiheit zu erlangen von dem, was uns zurückhält, festhält, daran hindert, glücklich zu sein.

     

    5 Fragen zu den Kleshas:

    • Kann ich eine Situation neutral betrachten, ohne auf alte Erfahrungen und Geschichten zurückzugreifen?

     

    • Lass ich mir Zeit, auf unangenehme Mails oder Angriffe oder Begegnungen zu reagieren?

     

    • Kann ich mich frei machen von Äußerungen über mein Aussehen von anderen oder von mir selbst? Kann ich mich so annehmen, wie ich bin, mit meinen Fehlern und Schwächen?

     

    • Bin ich bereit, mich meinen Ängsten und Vorurteilen zu stellen, sie zu hinterfragen, lasse ich mir Angst machen?

     

    • Was brauche ich wirklich, um glücklich zu sein?